Heldenkunde

Es begab sich am Sonntag, dass unser Versuch, einen 12tel-Blick 2018 zu starten, vorerst scheiterte. Und zwar – wie sollte es auch anders sein – an meinen Wurfkünsten. Aber darum soll es in dieser Wolpertinger Heldenkunde gar nicht gehen, sondern vielmehr um das, was darauf folgte.

Die Situation war also diese: Wir standen an einer kleinen Flussmündung im Wald und ich warf Rumos neues und hochgeschätztes gelbes Spielzeug äußerst unglücklich auf eine eisbedeckte Wasserstelle, weswegen es beeindruckend weit und außerhalb jeder Zugriffsmöglichkeit über das Eis und davon schlitterte. Ich guckte etwas trübsinnig dem Spielzeug hinterher und sah, dass das Wasser zwar nicht komplett, aber doch soweit gefroren war, dass Rumo auch nicht zum Spielzeug hinschwimmen konnte. Wäre mein Freund nicht dabei gewesen, wären wir wohl von dannen gezogen, so aber setzte er sich in den Kopf, das neue gelbe Teil doch noch zu bergen. Dies setzte eine Erweiterung unseres Spaziergangs voraus, damit wir uns dem Problem von der anderen Uferseite aus nähern konnten. Aber es war schließlich Sonntag, Sonnenschein und Wolpertingerfreizeit.

Nachdem wir uns durchs Gebüsch geschlagen hatten und das Spielzeug nun von der anderen Seite aus und aus nur noch ca. 10 Metern Entfernung betrachteten, starteten wir Versuche, das Ding entweder mit sehr langen Ästen zu angeln oder das Eis soweit zu brechen, das Rumo hinschwimmen konnte. Das lief mehr oder weniger gut: Zwar ward das Eis gebrochen, allerdings nur durch einen riesigen schweren Ast, der nun höchst unglücklich vor dem Spielzeug im Eiswasser herumdümpelte. Der Schokofrosch machte leider nicht den Eindruck, als habe er das Spielzeug gesehen und das Einweisen auf ein unsichtbares Ziel klappt bei uns noch nicht ansatzweise so gut, dass wir uns Hoffnungen machten, den schwimmenden Wolpertinger durch die Äste und Eisstücke zu dirigieren. Was also tun? In der vagen Hoffnung, Rumo habe das Spielzeug doch gesehen, schickten wir ihn mit Apport in Richtung Trophäe. Es passierte folgendes: Im Glauben, er solle den riesigen schweren Ast zu meinem Freund bringen, stürzte sich mein tapferer kleiner Hund ins kalte Nass, umschwamm den Ast ein bisschen hilflos, fiepte erst ein wenig und packte dann beherzt zu! Ein pelziger brauner Schleppkahn schob den Ast unermüdlich auf uns zu und bis ans Ufer. Schon hier waren wir sehr stolz auf den Schokofrosch, denn dass wir nicht den Ast, sondern das Spielzeug wollten, konnte er ja nicht wissen und er war mit beeindruckender Beharrlichkeit an die Sache herangegangen.

Nun war der Weg also freigeräumt und wir wollten erst recht nicht mehr aufgeben. Da neben dem Spielzeug noch weitere Äste lagen und schwammen, die besser sichtbar waren als das begehrte Teil, dachten wir, es kann nicht schaden, wenn wir das Hundchen erneut in die Richtung schicken. Schlimmstenfalls übersähe er das Spielzeug und brächte uns einen neuen Ast, den wir natürlich mit Jubel begrüßen würden. Ohne Zögern hüpfte der Labbi wieder ins Wasser, wusste aber erst nicht so recht, was er da sollte. Dann, plötzlich, entdeckte er doch noch sein Spielzeug und es gab kein Halten mehr: So schnell er konnte paddelte er zielstrebig auf das Teil zu und knackte sogar noch das restliche Eis, auf dem es lag. Unter tosendem Applaus von zwei Leuten brachte er uns die Beute und war stolz wie Oskar, aber nicht so stolz, wie wir auf ihn waren.

Es gibt verschiedene Gründe, warum mich diese kleine Episode so stolz auf Rumo gemacht hat: Er hat Beharrlichkeit, Zielstrebigkeit, ein gehöriges Maß an Geländehärte und Vertrauen in seine chaotischen Menschen gezeigt. All das finde ich an Labradoren und natürlich vor allem an unserem Exemplar einfach toll, egal, ob es manch einem erscheinen mag wie eine Kleinigkeit.

Mein Hund ist also für uns der größte Held von Zamonien. Was macht Euch stolz auf eure Hunde?

10 Kommentare zu „Heldenkunde

  1. Wow, das ist cool. Das Gefühl kenne ich aber.
    Wenn wir die Frisbee in die Ostsee werfen und Adgi vorbei hechtet und wir ihn mit „rechts“ und „links“ zur Scheibe dirigieren…zumindest denken wir uns,dass er uns versteht….ansonsten springt der Lieblingszweibeiner rein und holt es wieder raus….denn die Hartnäckigkeit kann auch dazu führen, dass der Hund nicht mehr raus kommt…

    Ganz liebe Grüße

    Anika und Seebär Adgi

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    1. Ha, Adgi ist auch ein Held! Oh ja, in der Ostsee ist das natürlich nochmal was anderes. Unsere kleine Flussbiegung da ist ohne Strömung und auch nicht tief. Wir wären wohl nicht für das Spielzeug ins Eis gegangen, aber sicher beide gleichzeitig für den Hund. 😄
      Viele liebe Grüße

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  2. Rumo… ganz ehrlich? Du bist ne Wucht! Super Aktion, zudem du gleich für hinreichend Brennholz gesorgt hast. Dem letzten verlorenen Spielzeug musste ich selbst hinterherschwimmen, weil mein gelber Schleppkahn (da okay, es ist eher ein Boötchen) versagte (naja eher den Dienst verweigerte). Super gemacht, denn jetzt haben deine Besitzer Geld gespart für neues Spielzeug, was sie natürlich sofort in Leckerchen investieren werden. Ich würde dir glatt ein Rinderknie sponsern *wink mit dem Zaunpfahl* und empfehle dir, dich nicht mit weniger zufrieden zu geben *grins*

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    1. Du hältst Rumo immer viel zu sehr vor Augen, dass er es bei dir besser hätte! Der packt bald sein Köfferchen und dann hast du den Salat. 😉 Statt Rinderknie gab es nur Trockenfutter mit einem rohen Ei extra.;)

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      1. *g* ne bei mir hätte er es ganz sicher nicht besser, es sei denn er definiert besser gehen in Form eines Rinderknies. Der soll mal schön bei euch bleiben, da hat er es gut, aaaaaaaber er darf mich gern besuchen.

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    1. Naja, ganz ehrlich? Es ist gar nicht mit dem Fokus „Wurf“ geplant, ich musste für das Foto das Teil nur einmal werfen, damit Rumo es holen konnte, und es ging beim ersten Mal gleich schief.😄

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  3. Super schöne Geschichte (wie alle deine Geschichten). Ja, ich komme noch immer hier vorbei und erfreue mich an deinen lustigen Geschichten. Rumos neues Spielzeug erinnert mich an Max erstes Spieli, welches genau ein solches war. Und ich, ebenfalls voll der „Wurfkünstler“ hab das Ding überall versenkt und MUSSTE es mit Max Hilfe IMMER holen, da Max sonst außer sich war und richtig um sein Spieli geweint hat. Nun ist Max leider nicht mehr, aber ich war besonders stolz auf seine Sturheit… und im wahrsten Sinne des Wortes auf den ganzen Kerl.
    Alles Liebe
    Silvia

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    1. Liebe Silvia, das tut mir unendlich leid. Max hatte ein cooles, spannendes, lustiges und langes Hundeleben mit Dir, da gibt es unendlich viel zum stolz sein. Run free, gelber Kerl. Ich habe immer sehr gern von Euch gelesen. Viele liebe Grüße Kathrin

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