Spiel mit den Schmuddelkindern

Der Labrador als solcher ist ja selbstreinigend. Habe ich mal gelesen und das stimmt auch: Überlässt man einen schmutzigen Labbi eine Weile sich selbst, ist er irgendwann wieder sauber.

Praktisch, könnte man meinen. Nur verschwindet Materie ja nicht einfach so und bloß, weil sie sich nicht mehr im Hundefell befindet, bedeutet das noch nicht, dass man keinen Ärger mehr mit ihr hat. Sie befindet sich dann nämlich in der Wohnung.

Rumo und ich sind Experten in Sachen Dreckaufnahme und Dreckbeseitigung. Ersteres wird vom Wolpertinger sehr enthusiastisch zelebriert, Zweiteres von uns beiden mit etwas weniger Begeisterung.

Es ist nun also November und wir ziehen jeden Tag mehrfach los in die Schlammschlacht. Die Wege sind aufgeweicht, ich gehe nicht mehr ohne Gummistiefel aus dem Haus und Rumo kann es nicht erwarten, sich die Pfoten schmutzig zu machen. Wir betreten den Wald und sehen schon die ersten Pfützen. Ab und zu sehe ich Hunde verschiedener Rassen, die wie ihre Besitzer versuchen, dem schlammigen Elend wenigstens ein bisschen auszuweichen, einen Sprung drüber weg wagen oder auch mal am Rand vorbeigehen. Muss ich erwähnen, dass Rumo da nicht so drauf ist? Er wagt natürlich auch den ein oder anderen kühnen Sprung – mitten hinein, denn die tiefste Stelle einer Pfütze ist immer die coolste.

Schmuddelkind Pfütze
Jippie!

Ich gehe außen herum, wobei die ersten Schlammspritzer des Tages oberhalb der Gummistiefel auf meiner Hose landen. Ich denke mir, dass die ganz gut zu den Schlammspritzern von gestern passen.

Rumo bekommt seinen lustigen Nass-kalt-mag-ich-am-liebsten-Koller, klemmt die Rute zwischen die Beine, macht einen Buckel und bockspringt durch die Matschlandschaft. Ich schaue ihm dabei zu und teste mal, ob er Gehirn und Gehör in der Pfütze gelassen hat, oder ob er noch auf die Pfeife hört. Er kommt tatsächlich und wir feiern deswegen zusammen eine Party. Dabei springt er mich an. Soll er nicht, macht er aber manchmal. Zwei schlammige Spuren ziehen sich vorne an meiner Jacke entlang und ich denke mir, dass ich langsam lieber niemandem mehr begegnen möchte.

An der nächsten Ecke begegnen wir jemandem. Eine sehr saubere Frau führt ihren erstaunlich sauberen Golden Retriever spazieren. Rumo und der Golden haben beide Lust auf Schlammcatchen. Als die beiden ein wenig zu nah an mir vorbeirennen, spritzt mir Dreck ins Gesicht und auf die Brille. Die immer noch saubere Frau (ich glaube, sie ist irgendwie schlauer als ich) geht mit ihrem erstaunlich dreckigen Golden Retriever weiter und lächelt mich aufmunternd an.

Sumpfschwein
Braun in braun.

Rumo erklärt seine und meine Metamorphose in ein Sumpfschwein für beendet und wir machen uns auf den Weg nach Hause. Ich überrede Rumo, sich zu schütteln, aber da es zu regnen begonnen hat, macht er es nur halbherzig. (Er ist da eigen. Er schüttelt sich erst richtig, wenn er glaubt, nicht mehr nass zu werden.) Vor dem Betreten des Hausflurs bearbeite ich seine Pfoten mit einem Handtuch, woraufhin sich das Handtuch dunkelbraun färbt. Im Hausflur rase ich mit dem Hund die Treppe hinauf (Schüttelgefahr!) und halte ihn davon ab, beim Hochgehen die Wände zu berühren. Im Wohnungsflur schüttelt er sich und ich bin kurz (und immer wieder) fassungslos angesichts der Menge an Dreck und der erzielten Reichweite.

Griphook, unser Kobold fährt schimpfend um uns herum und will kündigen. Ich verfrachte den Hund in die Badewanne, wo ich so lange klares Wasser in sein Fell massiere, bis auch wieder klares Wasser rauskommt. Rumo lässt es über sich ergehen, obwohl er die Badewanne im Gegensatz zu jedem anderen Gewässer uncool findet. Er bekommt nach dem Abtrocknen für die letzten Tropfen seinen Bademantel übergezogen und seine Beteiligung an der Dreckbeseitigung ist beendet.

Bademantel
Was machst Du denn da noch?

Ich wische mit verschiedenen Handtüchern am Boden herum, hole den Mopp, frage mich, wie der Dreck in die Küche gelangt ist, ziehe mich komplett um und prüfe im Spiegel, ob ich alle Schlammspuren im Gesicht beseitigt habe. Dann erkläre ich die Dreckbeseitigung für beendet, weil ich sie wahrscheinlich in ein paar Stunden sowieso komplett wiederholen muss.

Ich gucke mir das schlafende Bademanteltier im Körbchen an und freue mich.

Denn ganz ehrlich: Schmuddelkind zu spielen macht Spaß.

5 Kommentare zu „Spiel mit den Schmuddelkindern

  1. Ach wie herrlich. Wieso kommt mir das sooo bekannt vor. Da schlägt wohl wieder der Undercover Labrador durch. Kuma umschifft ja jede Wasser-Erdemischung ganz im Gegenteil zu Kylar. Da hätte ich am liebsten laut los geheult.
    Wir wollten unbedingt an diesem Tag in die Innenstadt neue Kleidung kaufen. Kylar sollte mit. So weit so gut. Meine Aufgabe war es mit dem Hund vorher eine Runde zu drehen und sauber eingesammelt zu werden. Auf dem Hinweg gab es immer schon eine Herrliche Matschgrube in der sich alle Hunde wir kleine Schweinchen benommen haben. Also nahm ich ihn an die Leine und wir passierten die Gefahrenzone. Auch sonst hielten wir uns auf den Wegen und sahen tadellos aus. Doch dann. Erinnerte sich der Husky daran das wenn man einen Kreis läuft. Die Matsche ein zweites mal vorbei kommt. Bevor ich schreien konnte war er schon im Gallop auf die Matsche zu. Ich schrie und schrie und er machte mit seinem weißen Fell einen Bauchplatscher und versank bis zum Hals. In dem Moment rufte natürlich mein Mann an und fragte wann wir am besagten Treffpunkt seien. Und Kylar führte sich zeitgleich auf als wäre er ein Perlentaucher und ging mit dem Kopf in die Matsche. Ich hatte nicht nur bei meiner einzigsten Aufgabe versagt, nein dieser Hund wurde in seinem ganzen Leben nie wieder so dreckig. Und das Herrchen was am Telefon noch so aufmunternt sagte „ich habe im Auto ein Handtuch“ war gar nicht mehr so begeistert als wir um die Ecke kamen. Denn ein Handtuch hatte den Effekt einer Serviette. Trotzdem hab ich es geliebt mit meinen Gummistiefel zusammen mit ihm durch die Matsche zu springen.

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