Schubladen

Heute Morgen wurde ich wieder gefragt, ob Rumo so richtig schlimm sei. Also wörtlich: Ist der so richtig schlimm? Ich guckte ein bisschen wie ein Auto und dann meinen (zugegeben) hüpfenden und springenden Wolpertinger an, der volle Kanone zu den beiden Hunden der Fragenden wollte, um mal deren Hinterteile auszuchecken.

SITZ! Nein, wie meinen Sie schlimm? Naja, weil ich ihn immer nicht zu den Hunden ließe und immer ausweichen würde, dabei wolle mein Hund doch zu den anderen Hunden Hallo sagen.

Mir schossen verschiedene Möglichkeiten durch den Kopf:

Die ehrliche Antwort: Der will nicht Hallo sagen, der will poppen.

Die missionarische Antwort: Wissen Sie, wenn er nun in die Leine springt, möchte ich ihn nicht zum Erfolg kommen lassen, da er lernen soll, nicht in die Leine zu springen. Außerdem halte ich das Beschnuppern an der Leine für nicht so günstig, weil die Hunde an der Leine nur eingeschränkt körpersprachlich kommunizieren können und es dann schneller zu Missverständnissen kommt.

Die plakativ-konfrontative Forumstroll-Antwort: Ich bin die dominante Rudelchefin, ich befehle, wann er spielen und atmen darf, wenn er nicht gleich aufhört, gibt es den Alphawurf und heute Abend kein Frolic.

Wie immer bei mir wurde es eine wenig überzeugende Mischung aus den ersten beiden Möglichkeiten, weswegen ich nachsichtig angelächelt wurde und meiner Wege ziehen durfte.

Ich guckte meinen Hund an und dachte wieder einmal daran, wie unterschiedlich Rumo von verschiedenen fremden Menschen wahrgenommen wird und welche Handlungen daraus folgen. Ich nenne mal die drei häufigsten Gruppen:

Die Angehörigen der ersten Gruppe finden Rumo niedlich, sehen seine großen braunen Augen und seine weichen Schlappohren und sind deswegen der Meinung, dass Rumo (ausnahmsweise einmal bei ihnen, die ihn jetzt gerade streicheln wollen!) alles darf, was er will, inklusive anspringen, hochdrehen und Ärmel in den Fang nehmen. Und wenn er mit anderen Hunden jetzt sofort spielen möchte, dann darf er das auch! Der arme Hund! Kurze Leinen sind den nicht so niedlichen Hunden vorbehalten.

Mit der zweiten Gruppe habe ich meistens die wenigsten Probleme, denn diese Leute sehen Rumo als großen dunklen Hund und wechseln die Straßenseite.

Die dritte Gruppe besteht aus Hundeexperten (jedes Gruppenmitglied hatte schon mindestens zwei Hunde) und diese wissen alle genau: Das ist ein Labrador. Mit Labradoren kann man alles machen, die sind ruhig und lieb und wenn man sie plötzlich aus dem nichts anfasst macht das rein gar nichts. Den Labrador habe ich gekauft, weil ich Hundeanfängerin bin und deshalb äußerst dankbar für jeden Tipp. Wenn Rumo sich gut benimmt, ist er selbsterziehend, wenn er sich nicht gut benimmt, darf ich nicht vergessen, dass auch Labradore erzogen werden müssen.

Noch ein Blick auf meinen Hund und ein Seufzer. Hier rege ich mich also über Pauschalisierungen in alltäglichen Begegnungen auf und schreibe deswegen einen Blogbeitrag, in dem ich Menschen in drei Gruppen einteile.

Wer werfe den ersten Stein?

15 Kommentare zu „Schubladen

  1. Das wurde ich auch schon gefragt.
    Gerade wollte ich schreiben, dass Kalle überhaupt nicht schlimm ist. Da hat mein Holztisch geknackt und das Hündchen sich knurrend auf ihn gestürzt. Na ja, er ist höchstens ein gaaanz kleines bisschen schlimm.
    Meine ehrliche Antwort wäre: Der will nicht Hallo sagen, der will sich prügeln.
    Ohne Hund gehöre ich vermutlich in Gruppe eins. Mit Hund in Gruppe zwei. Gruppe drei nervt mich auch. Die wissen nämlich: Das ist ein Auslandshund. Ich habe ihn, weil ich von meinem Mitleid beherrscht werde und die Welt retten möchte. Ich vermenschliche ich ihn total und er benimmt sich so, weil ich ihn überbehüte. Würde ich ihn einfach ableinen und sich selbst überlassen, wäre doch alles in Ordnung.
    Steine sind leider aus.
    Herzliche Grüße,
    Nora mit Mia und Kalle

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    1. Hallo Nora,
      vielen Dank für Deinen lieben Kommentar! Die Frage, in welche Gruppe man selbst gehört, stellt sich natürlich auch, da hast Du Recht. 😉 Ich fürchte, ich gehöre auch meistens zur ersten Gruppe. Und wenn wir schon schonungslos ehrlich sind, dann erklärt sich dadurch wohl auch, warum Rumo immer noch an Ärmeln nuckeln will… 😉
      Viele Grüße zurück!

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  2. Du machst das richtig… vllt.solltest du sogar zu Antwort 1 greifen: Der will nicht spielen, will halt poppen und damit der ned denkt, dass wir bei „wünsch-dir-was“ sind, bleibt er eben an der (kurzen) Leine. Du kannst es eh nicht jedem Recht machen, aber du musst (naja okay kannst) es dir recht machen 😉

    Ich habe auch so eine Labbiline die sich absolut selbst erzogen hat… natürlich liegt der Fehler bei mir, wenn sie angesichts plötzlich auftauchender Hunde ne Bürste bekommt. Die bekommt sie auch, wenn diese „huch“-Hunde auf sie zustürzen, oder sich Hunde in die Leine hängen, während sie im Abstand von 3 Metern an an ihnen vorbeigeht. Ganz ehrlich? Iss mir wurscht, mein Hund ist auch nur nen Mensch und ähnlich wie ich: Manchmal will sie einfach für sich sein.

    Zu den Gruppen: Für 1 gibts bei mir den Flohkommentar…
    Gruppe 2 ist mir seeeeeeehr recht, begegnet mir nur mit einem hellen Hund sehr selten.
    Und Gruppe 3… der nächste Hundeexperte, der mir erklärt, ein Labbi wäre ein Anfängerhund, mit einem Labbi belohnt oder ersatzweise gesteinigt (abhängig von meiner Laune).

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    1. @zitaontour: hilft denn der flokommentar? Bei Loki wurde das komplett ignoriert und der Mensch ging trotzdem hin zum streicheln 😶

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      1. @ Loki, mir glauben die Leute das, obwohl ich mich im Rheinland befinde. Ich kann aber auch beim dollsten Witz gucken wie ein Eisberg, die Leute sagen dann höchstens noch „echt jetzt?“. Am besten funktioniert der aber, wenn die Leute schon streicheln, denn wenn jemand sich von hinten ranrobbt sehe ich das nicht unbedingt immer.

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    2. Hehe, mit einem Labbi belohnt… Das erinnert mich an das Pinterest-Bild aus einem Café: „Unbeaufsichtigte Kinder bekommen von uns einen doppelten Espresso und einen Hundewelpen geschenkt!“

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  3. Wer behauptet, dass der Labi ein Anfängerhund ist, kann sich Benny gerne mal ausleihen. Ach nee Moment, er ist ja Secondhand, was fast gleichzusetzen ist mit Tierschutzhund und an der Kompetenz mangelts mir zusätzlich auch. Kann ja nix werden mit uns. Ist ihm aber vollkommen drittens und mir erst recht. Mein Herz und mein Sofa gehören ihm trotzdem und ich glaube er findet mich als Frauchen auch ganz akzeptabel.
    Nur den Satz, der will nicht spielen, der meint es todernst, kneife ich mir mittlerweile. Gruppe 3 Leuten kann man eh nichts erklären, die wissen immer alles besser. Für Gruppe 1 kann man sich den Atem auch sparen (der aaaaaarme Hund) und Gruppe 2 will es gar nicht wissen.
    Das mit dem Steine werfen lass ich mal lieber, bei meinen Wurfkünsten hau ich mir vermutlich meinen eigenen Schädel ein.
    Lg Miri

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    1. Achja, es gibt immer wieder Gründe, warum man selbst das mit dem Anfängerhund noch nicht so richtig verstanden hat… 😉 Ohren steif und gegebenenfalls auf Durchzug halten, ich bin sicher, Benny ist mit Herz und Sofa sehr glücklich.
      Ganz liebe Grüße

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  4. Oh ja, da kann ich dir sehr gut nachfühlen. Loki ist ein aufgeregter Spinner und ich habe auch schon diverse Leute getroffen, die ich in allen drei Gruppen wiederfinde. Erstaunlich wie viele „Hundeprofis“ unterwegs sind. Das andere die Straßenseite wechseln kenn ich auch. Wahrscheinlichich unterstreicht sein schwarzes Fell noch seine „Bedrohlichkeit“ 😅

    „Der will nicht Hallo sagen, der will poppen“ 😂😂😂 vielleicht solltest du das mal laut aussprechen als konter. Nur um das Gesicht der Leute zu sehen 😆

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    1. Loki ist ja durch sein Fell auf jeden Fall einen deutlichen Tacken gefährlicher als Rumo! 😉
      Ja, vielleicht sollte ich da etwas direkter werden. Aber nicht, dass das dann als Angebot verstanden wird! 😉

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  5. Das schlimme ist. Ich hab eine kleinen und hellen Hund und die meisten Menschen die ich treffe die sich eingliedern lassen sind Gruppe 2. Mein kleiner ist eben Bedrollig!
    Was ich manchmal Schade finde weil ich Kontakt an der Leine wenn beide Hunde ruhig sind durchaus sinnvoll finde gerade für meinen etwas unsicheren Hund der sonstgern Mal wegsprintet Richtung Strasse. Aber er muss es halt lernen und ich habe mich für diesen Erziehungsstil entschieden und respektiere wenn jemand seinen Hund einen anderen Erziehungsstil anwendet.
    In mir steckt leider ganz viel Gruppe drei aber ich Schluck die Bitch immer runter. Ich will mich gern noch weiter mit den Menschen verstehen dessen Hunde gerne ohne Leine mit Taiyou spielen. Und gebe höchsten Mal ein „hast du Mal ausprobiert ob dies und jenes klappen könnte …?“
    Einfach weil ich kenne die Hunde nur draußen und nicht von allen Facetten. Da kann man gar nicht wissen was für den Hund am besten ist.

    Ansonsten hatte ich bisher echt Glück bisher. Und die Leute hatten Geduld mit mir und meinem Hund.

    Ich kenne nur auch noch Gruppe vier:
    „Wow, der hört ja.“
    Ja mein Hund respektiert mich zeitweise und ab und an Mal xD
    Erschreckt mich teilweise echt sowas von Hundehaltern zu hören.

    Liebe Grüße Carina mit Taiyou

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    1. Hallo Carina!
      Vielen Dank für Deinen Kommentar! Bedrollig ist super! 😀 Haha, dass es extra auffällt, wenn ein Hund, den man trifft, gut hört, zeigt eigentlich schon viel vom Allgemeinzustand. 😉 Gegen das typische „Zwei ruhige Hunde beschnuppern sich mal ein bisschen“ habe ich an der Leine auch eigentlich nicht unbedingt was, nur ist das mit Rumo komplett undenkbar. Ruhe bei einem anderen Hund kann ich ihm grad nur beibringen, wenn er dabei bei mir ist und keinen Kontakt hat, sonst ist Halligalli mit völlig verhedderten Leinen und die anderen Hunde fühlen sich auch sehr von ihm genervt. Da ist es besser, wenn beide frei sind und sich ausweichen können und ein bisschen rennen.
      Viele liebe Grüße

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