Willst Du mit mir gehen?

Ich kann wie die meisten Menschen gleichzeitig Netflix schauen und mir die Nägel lackieren, gleichzeitig telefonieren und kochen und auch beim Hörbuch hören putzen und eine WhatsApp-Kommunikation am Laufen halten. Was ich nicht kann, ist, während eines Hundespaziergangs eine normale Unterhaltung zu führen.

Seit wir Rumo haben, schlagen meine Freundinnen wesentlich häufiger vor, bei gutem Wetter miteinander spazieren zu gehen, als früher. Ich freue mich jedes Mal, sage zu und lasse Rumo meistens zu Hause.

Denn es gibt eindeutig zwei Arten von Spaziergängen: Die mit Gummistiefeln und die ohne Gummistiefel.

Rumo steht auf Spaziergänge mit Gummistiefeln. Dabei hat man nicht nur besonderes Schuhwerk an, sondern auch eine Hose, die man im normalen Leben nicht mehr braucht, oder die man gut waschen kann. Man verlässt mitten in Leipzig die Zivilisation, geht auf Wegen, die eigentlich keine sind, und sieht seinem Labrador dabei zu, wie er sich allmählich in ein Sumpfschwein verwandelt. Zu Hause bemerkt man dann, dass man selbst die gleiche Metamorphose vollzogen hat.

In den Händen hält man während eines Gummistiefelspaziergangs wahlweise mehrere schlammüberzogene Dummies oder einen irgendwie glitschigen Ball. Zwischendurch überredet man den Schokofrosch, auch mal ordentlich bei Fuß zu laufen, stolpert durchs Gebüsch, um die Dummies loszuwerden und hat die meiste Zeit über die Pfeife zwischen den Zähnen klemmen. Deshalb ist man in diesen Momenten kein Freund von langen Worten.

Ich stehe auf Spaziergänge mit Gummistiefeln. Aber ich freue mich auch jederzeit über Spaziergänge ohne Gummistiefel.

Denn Normalschuhspaziergänge macht man bei gutem Wetter! Man trägt Klamotten, die man nicht hinterher wegwerfen möchte und man geht durch Gegenden, wo es Parkbänke gibt. In der Hand hält man vielleicht sogar einen Kaffee. Man guckt sich die Umgebung an und kann einem Gesprächspartner die vollverdiente Aufmerksamkeit schenken, richtig zuhören und selbst Wörter benutzen, die mehr als zwei Silben haben.

Irgendwie macht Rumo diese Art von Spaziergängen weniger Spaß als mir und wenn es ganz blöd kommt, sorgt er auch durch kleinere Aktionen an der Leine dafür, dass ich auch etwas weniger Spaß habe. Oder zumindest lässt er meinen Kaffee überschwappen. Dann zweifele ich wieder an unseren Erziehungsversuchen und – schwupp – habe ich mitten im Satz den Faden verloren oder meiner Begleitung nicht aufmerksam zugehört.

Und letzten Endes muss ich meistens am selben Tag sowieso noch einen Gummistiefelgang einschieben, um doch noch das Gefühl zu haben, Rumo ausgelastet zu haben. Da kann er auch bei der zivilisierten Runde mal zu Hause bleiben und ich gehe zweimal.

Ich gehe nämlich gerne zweimal! Frische Luft tut gut!

 

2 Kommentare zu „Willst Du mit mir gehen?

  1. Komisch, bei sind es weniger Einladungen geworden.
    Ich bin nämlich mit Jogger und ohne Schminke in einer Pfütze glücklicher als in der Stadt auf einer Bank. Geht meinen Freunden irgenwie anders. Versteh ich nicht. 😉

    Liebe Grüße

    Anika

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