Von Hunden und Menschen

… oder: Warum ich nicht Rumos Mami bin.

Rumo ist ein Hund. Er hat überall braunes Fell, eine braune feuchte Schnuffelnase, große braune Hundeaugen und braune Schlappohren. Er benimmt sich wie ein Hund, lernt wie ein Hund und findet Sachen gut, die Hunde gut finden.

Ich bin eine mittzwanzigjährige Mitteleuropäerin und bewege mich (meistens) auf zwei Beinen fort. Das mache ich dann auch oft mit Rumo neben mir. Nun treffen wir viele Menschen, die mit Rumo sprechen, und in etwa Folgendes zu ihm sagen: „Ja, Du bist ein Feiner, bleib mal brav bei Deiner Mutti.“ oder „Hast Du das gehört? Deine Mami hat Sitz gesagt.“

Aber Rumos Mami heißt Dorle und ist ein Hund. Sie hat überall braunes Fell, eine braune feuchte Schnuffelnase, große braune Hundeaugen und…

Natürlich weiß ich, warum Leute sich und andere als ‚Hundemami‘ oder ‚Hundepapa‘ bezeichnen. Man drückt eine enge Verbundenheit zu seinem Tier aus und gibt dem Hund auch auf sprachlicher Ebene den Status eines Familienmitglieds. Und diesen Status hat Rumo auch bei uns unleugbar und aus Überzeugung. Ich würde bei diesen Bezeichnungen auch weniger zusammenzucken, wenn es nicht auch noch weiterführende Ausführungen dieses Konzepts gäbe, die mir immer wieder quer im Hals sitzen:

„Die haben keine Kinder, die haben ihren Hund.“, „Das erste Kind hat Fell.“, „Das letzte Kind hat Fell.“, „Bei Marianne und Peter ist der Hund doch eindeutig ein Kindersatz.“ „Übt Ihr mit dem Welpen schonmal für’s erste Kind?“

Für sich gesehen sind diese Äußerungen ziemlich alltäglich und es gibt sicherlich schlimmere Dinge, über die man sich aufregen kann. Aber trotzdem steckt da für mich ein Wurm drin. Ein Hund ist ein Hund und ein Menschenkind ist ein Menschenkind und beide sind toll, aber einfach verschieden. Ich finde es falsch, jemandem zu unterstellen, das eine durch das andere ersetzen zu wollen und ebenso falsch, wenn Leute dies tatsächlich versuchen.

Wenn sich ein kleines Mädchen einen Hund wünscht, gehen die Leute davon aus, dass es einen Hund haben möchte. Wenn sich eine Frau einen Hund wünscht, gehen die Leute davon aus, dass sie ihr Fürsorgebedürfnis kanalisieren will.

So ganz gerecht ist das nicht.

Natürlich übernimmt man Verantwortung für einen Hund und sorgt für ein Wesen, das vollständig von einem abhängig ist. Und wir zum Beispiel kaufen manchmal Sachen für Rumo, die wir als Menschen wohl mehr benötigen als er als Hund. Mir fällt da gleich unser ritueller Wir-waren-bei-Ikea-Plüschtier-Kauf ein. Braucht ein Hund ein Schwein, ein Kamel, eine Ratte, einen Dackel und einen Golden Retriever aus Plüsch? Wohl eher nicht. Aber wir finden es niedlich, wie er sich freut und wie es aussieht, wenn er Schwein oder Kamel durch die Wohnung trägt. Dann sagen wir: „Rumo hat einen neuen Freund, das Kamel“. Und wir wissen, dass das ein bisschen peinlich ist. Vielleicht fängt da die Vermenschlichung von Hunden an und geht bis hin zu Äußerungen wie „Fidi findet es gut, dass wir ihre neue Übergangsjacke auch nochmal in Rot bestellt haben.“

Auch wenn ich meine Grenze wesentlich früher ziehe, bin ich nicht gegen den Vorwurf gefeit, Rumo – sei es aus Spaß oder unbewusst – zuweilen menschliche Eigenschaften zuzusprechen. Und trotzdem ist Rumo nicht mein Baby. Wenn man Hunde oder Kinder auf die wenigen Gemeinsamkeiten, die sie oberflächlich haben, reduziert, wird man den Hunden nicht gerecht und den Menschen noch tausendmal weniger. Denn die Summe der Ähnlichkeiten zwischen Hunden und Kindern ist (egal wie sehr man sie ausdehnt) immer noch winzig klein im Verhältnis zu den vielen tollen Eigenschaften, die Mensch und Hund voneinander trennen.

Wir wünschten uns einen Hund. Rumo ist ein Hund. Das ist super.

pluschtierbedurfnis
Plüschtiere sind noch ok, oder?

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